ETIKA

AUSBEUTUNG

www.etika.com
2.3.2000

94WU3

Über den Wucher

deutsch/lateinisch

Wir empfehlen die Broschüre, die der Verax-Verlag CH-7537 Müstair / GR (diese Adresse genügt) herausgebracht hat:

Apostolisches Rundschreiben von Papst Benedikt XIV.
VIX PERVENIT vom 1.11.1745

Über den Wucher und andere ungerechte Gewinne

Mit einer Erläuterung von Viktor Pfluger: Hat die Zinslehre der Kirche noch Gültigkeit?

lateinisch/deutsch, 1999, Broschüre, 44 Seiten

Aus dem Vorwort von Prof. Dr. Arthur F. Utz:

"Man muß nur einmal auf die Börse schauen, wo sich so manche einfinden, denen es nicht auf die wirtschaftliche Entwicklung, sondern nur auf den persönlichen Gewinn ankommt. ... Der Geldmarkt ist das bevorzugte Feld für Gewinnsüchtige. Wir müssen aber darauf bedacht sein, daß sich das Geld nicht von der Realwirtschaft trennt." (Seite 9)

(Anmerkung etika.com: Und warum läuft unsere Wirtschaft Gefahr, zusammenbrechen? Weil verantwortungslose Profiteure und Banditen so viel Geld aus dem Kreislauf der Volkswirtschaft herausziehen.)

Vorgeschichte der Zins-Enzyklika:

Im Mittelalter bestand ein von Kirche und Staat gefordertes Zinsverbot, das vom 16. Jahrhundert an immer mehr bekämpft und übertreten wurde. (10)

APOSTOLISCHES RUNDSCHREIBEN ÜBER DEN WUCHER UND ANDERE UNGERECHTE GEWINNE

I. Theoretischer Teil - Definition des Wuchers

I. Die Sünde, die usura (Zinsnehmen, Wucher) heißt und im Darlehensvertrag ihren eigentlichen Sitz und Ursprung hat, beruht darin, daß jemand aus dem Darlehen selbst für sich mehr zurückverlangt, als der andere von ihm empfangen hat und zu diesem Zweck aufgrund des Darlehens selbst irgendeinen Gewinn über die Stammsumme hinaus als geschuldet beansprucht. Denn der Darlehensvertrag verlangt seiner Natur nach lediglich die Rückgabe der Summe, die ausgeliehen wurde. Jeder Gewinn, der die geliehene Summe übersteigt, ist deshalb unerlaubt und wucherisch. (Seite 17)

I. Peccati genus illud, quod usura vocatur, quodque in contractu mutui propriam suam sedem, et locum habet, in eo est repositum, quod quis ex ipsomet mutuo, quod suapte natura tantundem dumtaxat reddi postulat, quantum receptum est, plus sibi reddi velit, quam est receptum; ideoque ultra sortem, lucrum aliquod, ipsius ratione mutui, sibi deberi contendat. Omne propterea huiusmodi lucrum, quod sortem superet, illicitum, et usurarium est. (16)

Aus der Erläuterung von Viktor Pfluger (Anm.: Priester, 1879 - 1958):
Hat die Zinslehre der Kirche noch Gültigkeit?

... keiner wagte es, (das strenge Zinsverbot der Kirche und des Staates) zu bestreiten. ...

Der "Reformator" Kalvin (1509 - 1564) war der erste, der dies tat, indem er leugnete, daß die Stelle Lk 6,35 ein Zinsverbot enthalte. ... Während der Genfer "Reformator" mit der Zinslehre der Kirche brach, hielten Luther und Zwingli entschieden daran fest und predigten gegen das Zinsnehmen noch ganz katholisch. (29)

(Anm. etika.com: Lukas 6,35 lautet: ... leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft; wir erinnern uns aber auch an Matthäus 25,27: Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Für Jesus waren also Zinsen etwas Übliches, ja er schien sie sogar zu empfehlen, wenngleich sie in 3. Mose 25, 35 und 36 für Brüder verboten sind: Wenn dein Bruder neben dir verarmt ..., ... du sollst nicht Zinsen von ihm nehmen noch Aufschlag.... Folgen wir aber weiter den hochinteressanten Ausführungen Viktor Pflugers, deren Verwirklichung freilich das Aus für die gegenwärtige Geldwirtschaft bedeuten würden.)

Die Synoden von Brixen (1603), Osnabrück (1628) und Bordeaux (1583) betonen, daß das Bewußtsein von der Sündhaftigkeit des Zinsnehmens zum größten Teil geschwunden sei. (29)

... als die französische Revolution die letzten Schranken wegräumte, hatte die neue Wirtschaft, die Zinswirtschaft, oder der Kapitalismus die volle Herrschaft erlangt. (30)

Hat die Kirche ihre alte Lehre aufgegeben oder geändert und das Zinsnehmen erlaubt? Nein. Sie hält an ihr fest. (34)

(Einwand etika.com: Die Vatikanbank IOR nimmt doch wahrscheinlich auch Zinsen - oder nicht?)

Die Entscheidungen der Kongregationen und der Moralisten sowie der Kanon 1543 des kirchlichen Gesetzbuches von 1917 enthalten nicht die Lehre der Kirche; sie sind nur praktische Anweisungen für die Zeit, da die Zinswirtschaft und die Irrlehre, auf der sie beruht, alle in ihrem Bann und Zwang hält. (34)

(Anm.: Der Autor verweist auf gleiche Meinungen der Moraltheologen Franz Hürth SJ und Vermeersch)

Anmerkung des Autors: Im neuen Gesetzbuch der Kirche (CIC von 1983) wurde dieser Kanon ersatzlos gestrichen. Er lautete (CIC 1917): "Bei Gewährung eines Darlehens (...) darf kein Lohn beansprucht werden für die Gewährung des Darlehens selbst. Damit ist es aber an sich nicht verboten, die gesetzlichen Zinsen zu beanspruchen, sofern der gesetzliche Zinsfuß nicht übermäßig groß ist. Andererseits kann sogar eine noch höhere Vergütung verlangt werden, wenn ein gerechter und hinreichend schwerwiegender Grund vorhanden ist." (34)
Zurück zum Normaltext, der Revolutionäres enthält (wir hüten uns sehr wohl, an die diesbezüglichen nationalsozialistischen und sozialistisch-anarchistischen Theorien zu erinnern, die zum Teil Kopien gleichen; auch der Name Silvio Gesell und die Frei-Soziale Union (FSU) fallen uns ein.)

Die Wirtschaft muß wieder nach der Zinslehre der Kirche eingerichtet werden. Die Zinswirtschaft führt notwendig zu sehr schlimmen Folgen. Sie hat das Proletariat geschaffen. Sie nimmt allen Arbeitern durchschnittlich die Hälfte ihres Arbeitslohnes weg und schiebt sie in die Taschen verhältnismäßig weniger Reicher, die diesen Gewinn ohne Arbeit erhalten.

Die Nichtarbeiter bekommen in der Zinswirtschaft die Hälfte des Arbeitslohnes aller Arbeiter, und zwar ohne eigentliche Arbeit leisten zu müssen. Muß da die Arbeit nicht in Mißkredit und Verachtung kommen? ... Ist der Klassenhaß und Klassenkampf nicht eine natürliche Folge? (35)

Wie ganz anders würde es sein, wenn die Zinslehre der Kirche, wie sie von Gott geoffenbart ist, wieder in der Wirtschaft richtig durchgeführt würde! Dann raubte der Zins den Arbeitern nichts mehr von ihrem Lohn, der es jedem Arbeiter ermöglichte, auch eine sehr große Familie gut zu erhalten. ... Die Drohnen, die unter der Zinswirtschaft auf Kosten des Arbeitsertrages anderer lebten, wären verschwunden. Alle, die arbeiten könnten, müßten arbeiten, wenn sie etwas verdienen wollten. Die Arbeit käme zu ihrem Recht und würde nicht mehr verachtet. (35 und 36)

Bezüglich des Sparens legt der Verfasser dar, daß die Sparer in der Zinswirtschaft betrogen werden, daß sie bei Anwendung der kirchlichen Lehre besser fahren würden. In der zinslosen Wirtschaft könne man viel, viel mehr sparen als heute. Es wird sehr empfohlen, dieses Heft zu kaufen und über alle diese Dinge nachzudenken!

Bei jeder Buchhandlung zu bestellen. ISBN 3-909065-13-9

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