ETIKA

KURZBOTSCHAFTEN

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26.11.1998

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Ehebruch - finstere Meinthat

Heliand 17, 1475-1491

Wahrlich, ich sage euch auch,
Wie im alten Bunde geboten war,
Daß einer des andern Frau nicht verführe,
Das Weib zur Schande. Wahrlich, ich sage,
Daß allein schon die Augen verleiten können
Zu finsterer Meinthat; wenn sein Mut ihn lockt,
Daß er d i e verlangt, die nimmer er darf,
Dann hat er selber schon Sünde begangen,
In sein Herz geheftet der Hölle Strafe.
Wen sein Gesicht oder die rechte Hand,
Ein Glied will verleiten auf leidigen Weg,
Dem Manne möchte wohl besser sein,
Den Kindern des Volkes, es von sich zu werfen,
Loszulösen vom Leibe das Glied
Und ohne dasselbe sich zum Himmel zu heben,
Als unversehrt zum Feuer zu fahren,
Mit heilen Gliedern zum Höllengrund.

So dachten unsere germanischen Verfahren. Im 16. bis 18. Jahrhundert wurden Ehebrecher streng bestraft, wie unser Bild aus der Sammlung "Mittelalterliche Rechtspflege" in Rothenburg ob der Tauber zeigt: Ein Ehebrecher reitet auf dem Esel zum Galgen. Donkey ride to the gallows: Punishment for adultery. -Promenade sur un âne á la potence: punition pour adultères.

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Wenn der Teufel die Seele holt

Franziskus von Assisi: Brief an die Gläubigen 

Alle sollen es aber wissen, wo immer und wie immer ein Mensch in schwerer Sünde ohne Genugtuung (Reue, Buße, Wiedergutmachung) stirbt, dabei Genugtuung leisten könnte und sie nicht leistet, daß der Teufel seine Seele unter solchem Schmerz und solcher Qual aus dem Körper reißt, wie sich niemand vorstellen kann, der es nicht selbst verspürt hat.

 

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