ETIKA

Theologie der Gerechtigkeit

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13.3.2005

9T

Warum das Böse und das Leiden Unschuldiger? – Verborgene Gerechtigkeit

Konzentriert aus 15OE21, 90B7, 90K30

 

 

Vertraut auf Gott! Hadert nicht mit Ihm! Jesus selbst enthüllt das Geheimnis des Bösen. Er wird wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Er verheißt uns Unsterblichkeit und die vollkommene Freude im Himmel, den Bösen aber die jeweils angemessene Strafe in der Hölle.

 

Warum ist denn so viel Unrecht in der Welt? Aus Gerechtigkeit! Die Frevler dürfen sich austoben in ihren Lüsten, ihrer Genuß-, Hab- und Machtgier, damit sie das Ihre gehabt haben. So viele suhlen sich im Pfuhl der Sünden, in Dreck und Schlamm.  Es wird ihnen ergehen wie dem Reichen, der dem Armen nichts gegeben hat und der nun in der Hölle um einen Tropfen Wasser fleht und die Antwort erhält:

 

Denk daran, daß du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. (Lukas 16,25)

 

Jede Pflichterfüllung, jede freiwillige Entbehrung, jedes Opfer und jedes geduldig ertragene Leid wird im Himmel tausendfach belohnt. Alle Guten, die Unschuldigen, die Kinder, die bei Katastrophen sterben usw., werden im Himmel belohnt für das, was sie hier auf Erden mitgemacht haben.

 

Verzweiflung - oder Glauben an die Gerechtigkeit im Jenseits

 

Nur wer ganz diesseitig denkt und nicht an Gott glaubt, verzweifelt angesichts der Unfälle, Krankheiten und Katastrophen; für ihn ist alles sinnlos. Der Christ aber weiß, daß es Himmel und Hölle gibt. Es muß die Vergeltung im Jenseits geben. Nur mit dem Glauben kann der Mensch in dieser ungerechten Welt überleben.

 

Wer Selbstmord begeht und damit das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ bricht, ist dumm und wird vor Schreck erstarren, denn er steht innerhalb weniger Stunden – ohne weitere Möglichkeit der Reue und Buße – vor dem Weltenrichter und empfängt sein Urteil für die Ewigkeit. Ein böser (oder guter) Engel führt ihn unverzüglich in die Hölle (oder in das Fegefeuer???).

 

Schau du nicht auf die Masse; die anderen stochern im Nebel, gehen Irrwege, versinken im Sumpf.

Christen hoffen auf den gerechten Ausgleich. Gott wird richten in Gerechtigkeit. Oben wird unten, reich wird arm, arm wird reich, der Erste wird der Letzte und der Letzte der Erste.

 

Gott hat dem Menschen den freien Willen gegeben. Weil er diese Gnade missbraucht hat und weiter missbraucht und weil zuvor schon ein Drittel der Engel gesündigt hat, ist das Chaos in der Welt.

 

Die wirkungsvollsten Bremsen vor dem Abgrund des Bösen sind zwei: das Leiden sowie die Furcht vor den Folgen der Sünde (Krankheiten usw.), besonders vor der Hölle. Wir würden sonst übermütig, gar hochmütig werden und Gott vergessen. Viele Menschen, die keine Furcht vor der Hölle haben, sündigen hemmungslos, quälen und töten.

 

Es gibt soviel Unrecht und Leid, damit der Mensch sich für das Gute entscheiden und sich bewähren kann. Ohne Leiden können wir nicht in die Herrlichkeit Gottes eingehen.

 

Die Philosophen machen viele Worte, aber die Wahrheit ist so einfach wie Gott. Gott ist das höchste Gut, das alleinige Gute (hl. Franziskus von Assisi). Jesus Christus will, daß wir ihm nachfolgen, uns lösen von den vergänglichen Dingen der Welt, eins werden mit Gott.

 

Sein Gegenspieler ist der Teufel = griechisch Diabolos = der Durcheinanderwerfer = derjenige, der die göttliche Ordnung durcheinanderbringt.

 

Der Mensch ist Geist und besitzt Geisteskräfte. Wende sie an! Du kannst so viel bewegen mit dem Gebet. Gedanken sind stärker als Gewalt, und Gebete stärker als Gedanken. Wie oft rettet das Gebet aus tiefster Not, aus Seelenqual und Lebensgefahr! Dies ist der persönliche Beweis für die Existenz Gottes.

 

Der französische Philosoph Ricoeur (Il male, Brescia, 2003) verwirft alle Theorien zur Erklärung des Bösen als unzureichend. Ihm bleibt unerklärlich, warum Gott allmächtig und seine Güte unendlich sein soll, wenn trotzdem das Böse existiert. Die natürlichste Erklärung will er nicht wahrhaben. Für den Himmel ist kein Platz in den Gehirnen der Philosophen, denn ihr Horizont ist begrenzt.

 

Für uns ist der Himmel das Wichtigste. Er ist unser Ziel. Denn dort werden wir belohnt für alles Gute, das wir getan haben. Nur die Existenz des Himmels bietet die Erklärung für das Unrecht und das Leid, das hier auf Erden den Unschuldigen auferlegt wird, vor allem den Kindern. Es gibt eine verborgene, künftige Gerechtigkeit, die aus Himmel, Hölle und Fegefeuer besteht. Ohne den Himmel lässt sich nichts erklären, mit ihm alles.

 

Gott ist gut und gerecht
Gott ist gut, barmherzig, gerecht, allmächtig, einfach, ist Liebe, belohnt das Gute, verzeiht bei Reue, bestraft das Böse.

Gut ist der Mensch, wenn er den Willen Gottes tut.

Die meisten Menschen richten sich selbst durch ihre Taten und ihren Unglauben.

Solange unser Wille nicht mit dem Willen Gottes übereinstimmt, ist all unser Mühen vergebens.

Das erklärt alles. Der Nihilismus erklärt nichts.

 

Das Böse ist

·        Rebellion gegen Gott und seine Ordnung: Sünde

·        die Summe der Folgen: Leid und Tod

 

Das Böse erscheint in dreifacher Form:

·        Teufel und Dämonen

·        das Böse in mir als Schwachheit (Hang zu verbotenen Dingen, Genußsucht) oder bewusste Bosheit (Todsünde, Grausamkeit), als Sünde im Fleisch oder als Sünden des Geistes: Hochmut, Herrschsucht, Habsucht, Neid usw.

·        das Böse in der Welt

 

Woher das Böse?

·        In Luzifer entstand der Wunsch, gleich zu sein wie Gott

·        die Schuld Adams und Evas: Gelüst führt zum Übertreten des Verbotes, als Erbsünde an die Nachkommen weitergegeben

·        die Folgen der Abspaltung Luzifers und seines Heeres und die Schuld der ersten Menschen haben die Unordnung auf der Welt hervorgerufen, die unendlichen Verlockungen und Versuchungen, die von Gott ablenken und keinen Menschen unberührt lassen

 

Warum das Leiden?

Das Leiden hat immer einen Zweck. Es ist ein Mittel in der Hand Gottes. Pater Petrus Pavlicek OFM unterscheidet (Handbuch des einfachen Lebens, Kapitel 34):

·        das Leiden als Strafe: Gott hat ein Recht, Genugtuung zu verlangen

·        das Leiden zur Läuterung: Gott will den Menschen von einem sündhaften zu einem heiligmäßigen Leben führen

·        das Leiden zur Bewährung: Es soll den Menschen in seiner Demut, Beharrlichkeit zum Guten und Treue zu Gott prüfen und festigen

 

Aber warum das Leiden Unschuldiger?

·        damit die Menschen reifen, besser und vollkommener werden (oben erwähnt als Läuterungs- und Bewährungsleiden)

·        damit die Mitmenschen Mitleid haben, helfen und sich damit retten können: Rettung von Seelen

·        damit unschuldige Kinder (die von Herodes abgeschlachteten ebenso wie die Opfer des Tsunami) sowie Märtyrer die leerstehenden Throne der gefallenen Engel im Himmel besetzen können: Belohnung im Himmel für erlittene Not und Unrecht

·        damit die Bösen sich austoben und gegen Gott entscheiden können: Entlarvung der Kinder Satans und Rechtfertigung der Hölle

 

3 Aufträge:

 

·        Die Sünde und die Wurzeln der Sünde bekämpfen
Die Sünde ist zu bekämpfen, weil sie uns von Gott entfernt, der unser Ursprung und unser Ziel ist. Die Sünde ist das Hauptübel. Solange wir sie nicht mit der Hilfe Gottes überwinden, gibt es keinen Frieden, kein Glück, keine Seligkeit.

·        Unnötiges Leid bekämpfen
Es hindert uns, unseren Auftrag zu erfüllen. Also sollen wir zum Beispiel durch einfaches, gesundes Leben Krankheiten vorbeugen.

·        Unvermeidliches Leid geduldig ertragen
als Bewährung, Prüfung, gerechte Strafe. Hören wir auf den hl. Franziskus von Assisi in seinem Loblied der Geschöpfe (Sonnengesang):

 

Gelobt seist Du, mein Herr, durch jene, welche aus Liebe zu Dir Verzeihung üben, Mühsal mit Geduld und Betrübnis mit Fröhlichkeit des Geistes tragen.

Selig jene, die ausharren in Frieden, denn von Dir, o Höchster, werden sie die Krone empfangen.

 

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