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ETIKA I D |
Girolamo Savonarola |
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GS960228 |
Le meretrice d´Italia - Die
Buhldirnen Italiens |
23.8.2001 |
Fragment der zwölften Predigt
über Amos.
(Venedig 1519. Arrivabene, fol. 43)
Aus:
Hieronymus Savonarola.
Nach Originalurkunden und größtentheils ungedruckten Schriften.
Von F. T.Perrens.
Eine von der französischen Akademie gekrönte Preisschrift.
Nach der zweiten Auflage des französischen Originals übersetzt von Dr. Joh.
Friedrich Schröder.
Braunschweig, Verlag der Schulbuchhandlung. 1858. Seite 539 -
541.
Die zwölfte Predigt über Amos (28. Februar 1496) gehört unter
diejenigen, welche von der römischen Congregation unter Paul IV. verboten
wurden. Eine einzige Stelle in derselben ist ohne Zweifel die Ursache dieser
Maßregel gewesen; denn die ganze übrige Predigt geht nicht über die Grenzen
dessen hinaus, was Savonarola sich gewöhnlich erlaubt. Allein die
Unschicklichkeit dieser Stelle ist doch eine solche, daß, um sie desto sicherer
zu vertilgen, man lieber die ganze Predigt aus allen Exemplaren herausgerissen
hat, in welchen sie stand. Wir haben deren sechs durchgegangen, zwei in der
Riccardiana, drei in der Magliabecchiana und eines, welches der berühmt und
ehrwürdige M. Gino Capponi die Gefälligkeit gehabt hat, zu unserer Verfügung zu
stellen. Fünf von diesen Bänden enthielten die gesuchte Predigt nicht. Endlich
fanden wir sie in dem sechsten (Magliab.) und wir glauben, daß man die
auffallende Stelle, welche so viele fromme Leser vernichtet zu sehen wünschten,
und welche jetzt eine so außerordentliche Seltenheit ist, nicht ohne Interesse
lesen wird:
"O vaccae pingues quae estis in monte Samariae! O
vacche grasse che siete ne´ monti di Samaria, che vuol ella dire questa
Scrittura? Tu mi risponderai e dirai queste profetie e le Scritture sacre sono
finite in Cristo e non vanno più là, e furono verificate a tempi loro. Io ti
rispondo che non ci bisogneria più adunque el testamento vecchio a noi, e si
espose pure dalli santi dottori al tempo delli eretici le Scritture, secondo
quelli tempi d´allora per li eretici e tamen fu dopo Cristo, va dimandane li
dottori ad me adunque questa Scrittura e queste vacche grasse voglion dire le
meretrice......
Io ti dico che le vacche grasse di Samaria sono le
meretrice (Anm.: meretrici im Buch ist wohl ein Druckfehler) d´Italia e
di Roma (io non dico delle donne da bene, io dico di chi è); eccene di nessuna
in Italia e in Roma? Mille sono poche a Roma, dieci mila sono poche, dodici
mila sono poche, quattordici mila sono poche a Roma. Udite adunque queste
parole, o vacche di Samaria, udite nell´orecchio: la vacca è uno animale
insulso e grosso e proprio come uno pezzo di carne colli occhi. Donne, fate
ch´elle vostre fanciulle non siano vacche, fatte che le vadino coperto el petto;
non portino la coda come le vacche, fatele posare queste veliere, io non dico
già che voi andiate col velo torto e male acconcio, ma assetate come donne da
bene e oneste. Queste che sono come io v´ho detto un pezzo di carne (im Buch
sarne) con due occhi, non si vergognano di niente, può essere che voi non
vi vergogniate?
Che voi non solamente siate concubine, ma concubine di
preti e di frati, e questo fate ancora pubblicamente. Può essere che voi non
vergogniate, o vacche di Samaria? Perdonatemi, donne, io uso el vocabolo del
profeta, e non dico se non di chi è.
Il toro che ha le vacche è di questa natura che insino
che non è castrato è sempre superbo e sta sempre dissepato un poco dalle
vacche, non si discosta però molto, perchè non vuol perderle d´occhio, e ha
sempre l´occhio alle vacche, e guai se nessuno altro toro gli venisse. Ma che
dirò io che e cynedi? E li garzoni sono diventati vacche e sono come vacche. Che
diresti tu ancora se tori fussino vacche in agendo e patiendo? Tu mi intendi
bene, tu sai se eccene di questi, comincia pure a Roma, e va pertutto e dove tu
vuoi. Io mi vergogno a dirtelo, e tu mi intendi bene. ..."
Eine Übersetzung von Teilen dieses Textes fanden wir in dem Buch:
Hieronymus Savonarola.
Ausgewählte Predigten.
Mit einer einleitenden Monographie in deutscher Übersetzung
herausgegeben von Wilh. von Langsdorff, Pastor in Rittmitz. Leipzig.
Druck und Verlag von Fr. Richter. 1890. S. 90f.
Komm her, der du sagst, daß ich die h. Schrift und das Evangelium
predigen soll, - ich predige ja nichts Anderes. Wenn du wüßtest, was die h.
Schrift ist, würdest du nicht so reden. Eher hättest du sagen können: predige
Cicero und Virgil! Dann hätte ich dich nicht getroffen; die heilige Schrift
aber wird dich treffen an allen Orten. Also ich will die h. Schrift predigen,
ich will dir gehorchen. So sage mir denn, wie würdest du diese Stelle auslegen:
"Höret dies Wort, ihr fetten Kühe, die ihr auf dem Berge Samarias seid"
(Amos 4,1.)?
Du sagst, diese prophetischen Schriften seien in Christo erfüllt,
gehen nur auf ihre Zeit und gelten jetzt nichts mehr. So? Da ist wohl das alte
Testament jetzt überflüssig? Wen nun doch zur Zeit der Häretiker die heiligen
Lehrer diese Schriften ausgelegt und wider die Häretiker angewandt haben, so
geh und setze sie darüber zur Rede. Mir wollen diese Stellen und die fetten
Kühe die Buhldirnen bezeichnen. Ich habe euch schon gestern gesagt, daß
Samaria der Name eines Landes und einer Stadt war, und ich deutete es auf
Italien und Rom. Giebt es etwa deren keine in Italien und Rom? Tausend sind
zu wenig gesagt für Rom, zehntausend, zwölftausend, vierzehntausend sind noch
zu wenig. * - - -
Ja kommt her gen Bethel und treibet Sünde, und gen Gilgal,
dass ihr der Sünden viel machet; und bringet eure Opfer des Morgens und eure
Zehnten des dritten Tags (Amos 4,4). Gilgal bedeutet den Hügel der Verschneidung: der
gute Priester soll beschnitten sein von allen Lüsten und rein von allen Lastern.
Ihr hier geht aber die Messe zu lesen ohne jegliche Ehrfurcht und
verkauft sie flugs irgendwem zu Gefallen, ihr geht die Nacht zu der Concubine
oder treibt noch schlimmere Unzucht und am Morgen darauf geht ihr zum
Sakrament.
(S. 91) O Rom, o Italien, ich sage euch: wieviele werden auch
dieses Ostern wieder unwürdig zum Sakrament kommen, - ihr habt Gottes Zorn
heraufbeschworen und thut es noch.
Wenn irgend ein einfältiger Mensch sagt, die Jungfrau Maria
sei ihm erschienen und habe verkündigt: es komme eine große Pestilenz, wer aber am
nächsten Sonnabend, nachdem er diese Botschaft vernommen, bei Wasser und Brod
faste und Sonntags darauf sich des Fleisches enthalte, der werde gerettet, - so
haben sie´s kaum gehört, glauben sie´s auch schon. Denn es ist nicht gerade
etwas Schweres, einen Sonnabend bei Wasser und Brod zu fasten und einen
einzigen Sonntag kein Fleisch zu essen, und die fleischlichen Menschen lieben
doch ihr Leben über Alles. Da prüfen sie nicht so, wie bei unsrer Sache, die
doch vielfach erwiesen ist, sie glauben einem einfältigen Menschen mehr als
Gott und der h. Schrift. Ihr Thoren, glaubt ihr wirklich, daß ein Engel oder
die Jungfrau Maria erschienen sind, daß die so etwas Falsches gesagt haben?
Schon wenn ein weiser und heiliger Mensch gekommen wäre, würde er
voll Ernstes gesagt haben: "wer seine Sünde vergeben haben und von der
kommenden Züchtigung befreit sein will, thue Buße" und würde nicht
gesagt haben: "fastet einen Sonnabend", denn durch solches Fasten
werden keine Sünden vergeben, - Gott kümmert sich nicht darum und achtet es
nichts.
Ihr bringt eure Opfer, nämlich diese Fasten, die nichts
gelten, - von Pestilenz und Schwert werdet ihr sterben trotz eures Fastens. Und in den drei
Tagen eure Zehnten. Diese drei Tage können wir auf die drei Tage vor Ostern
beziehen: da beginnen sie vom Charfreitag an umherzuziehen in den Kirchen, um
sich Ablaß und Absolution zu holen. Bald hierhin, bald dahin; der eine küßt
Sanct Peter, der andere Sanct Paul, der eine diesen Heiligen, der anderen
jenen. Herbei, herbei! Läutet die Glocken, rüstet die Altäre, schmückt die
Kirchen! Kommt alle herbei! An diesen drei Tagen vor Ostern nur, nachher ist es
nicht mehr nöthig! Gott lacht eures Thuns und kümmert sich nicht um eure
Ceremonien. Der Teufel auch lacht darüber, - denn nach Ostern seid ihr
schlimmer als vorher.
* Er schildert nun den geradezu viehischen Sittenzustand in
Rom, besonders auch bei der Geistlichkeit, in einer Weise, die sich heute kaum
wiedergeben läßt. Diese Predigt ist daher auch berühmt, von der päpstlichen
Censur besonders verfolgt und sehr selten geworden. In den meisten Exemplaren
ist sie herausgeschnitten und findet sich nach Villari und Perrens nur in
einigen wenigen Exemplaren in Florenz selbst. Doch wurde sie von mir auch in
einem Bande der Dresdener Kgl. Bibliothek aufgefunden. Der Bearbeiter. (W. von Langsdorff)
(Aus der 12. Predigt am zweiten Fastensonntag über Amos 4,
1 ff.)