ETIKA CM

ZIMBRISCH / CIMBRO

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11M1

Ave Maria

5.6.1999 -17.1.2013 

Bar grüüsan-dich, Maria, bolla Grazien, dar Guute Hèere ist met diar, benediart pisto braan allen in baibarn, on benediart ist dar frütto bomme dein pauche, Gesù.

Hòliga Maria, muutar me Guuten Hèeren, pet bor osándarn bólla sünte hèmmest on in de zait me ügnar tòote. Amen.

11P

Vater unzer

 

Vater unzer der do pist in die Himele,

Gheailighet ber dain Namo.

Zu kem dain Raik.

Dain bil der ghesceghe also bia ime Himele

also in der Erden.

Ghib uz heute unzer teghelek proat.

Unt verghibe uz unzere sunte,

also bia bier vorgheben unzer soleghern.

Unt vuer uz net in vursukonghe

sonder erluos uz von ubel.

Amen.

Abgedruckt auf einer von Hatto Schmidt zusammengestellten Minderheiten-Sonderseite der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“ am 27.11.2012, S. 20, „Zimbern nehmen Schicksal in die Hand – Sieben Gemeinden: Alteingesessene Bewohner gründen politische Vereinigung in Anlehnung an ihre historische Republik“.

Titel der am 29. Juni 1310 verfassten Statuten der Sieben Gemeinden:

„Sleghe un Lusaan, Genebe un Vüsche, Ghel, Rotz, Robaan. Dise saint Siben Alte Komoine, Prüdere Liben“ (liebe Brüder).

48LS2

Sprichwörter

 

Dez ist an gutar krigar da kann sine gunne tenfen.
Das ist ein guter Krieger, der kann seine Gelüste beherrschsen.

Bear hat vaint muz net inslafen.
Wer hat Feinde, darf nicht einschlafen.

Ubel borratet dort´z leben gapratet.
Über verheiratet, das Leben dahin.

Da´z sain gaboont ist ofte an grozar tiraun.
Das Gewohntsein ist oft ein großer Tyrann.

Dear da tut baz ar net sölte, kimme ofte zu haben, baz ar net bölte.
Der da tut, was er nicht sollte, bekommt oft, was er nicht wollte.

Dar earleghe man dormudet nia bool zu tunan.
Der ehrliche Mann ermüdet nie, Gutes (wohl) zu tun.

Nach load kimmet vride.
Nach Leid kommt Frieden.

´Z gelt verderbet allez.
Das Geld verdirbt alles.

Mitten gutten bersto gut, mit den posen pose.
Mit den Guten wirst du gut, mit den Bösen böse.

Quelle: die 1429 Sprichwörter umfassende Sammlung von Giulio Vescovi (1826 - 1916)
Literatur: Karin Heller (Hrsg.): Iz Gaprecht vun Siben Pergen, Zimbrische Redensarten und Sprichwörter aus den Sieben Gemeinden - Proverbi Cimbri. Studien Verlag Innsbruck, 1998.

Bernhard Wurzer: Die deutschen Sprachinseln in Oberitalien, Athesia Bozen

Die sieben Gemeinden liegen auf der Hochebene von Asiago. Sie sprachen eine bayerisch-tirolerische Mundart, die im 11. und 12. Jahrhundert verbreitet war und die man heute Zimbrisch nennt. Im Ersten Weltkrieg siedelten die Österreicher die Bewohner von Roban (Roana) und Rotz (Rotzo) nach Böhmen aus. Die Italiener verschickten die Leute von Ghenebe (Enego), Vüsche (Foza), Ghel (Gallio) und Sleghe (Asiago) bis nach Sizilien. Die siebte Gemeinde heißt Lusaan (Lusiana).

2013 ist eine neue Landkarte über die deutschen Sprachinseln in Oberitalien herausgekommen, die zum Preis von 1 Euro unter anderem bei der Buchhandlung Athesia in den Bozner Lauben erhältlich ist.